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Verlangsamt oder beschleunigt Wachstumshormon das Altern?

GH/IGF-1 nimmt physiologisch mit dem Alter ab, und diese Veränderungen gehen bei älteren Menschen mit Müdigkeit, Muskelschwund, vermehrtem Fettgewebe und kognitiven Beeinträchtigungen einher…

1990 veröffentlichte Rudman im New England Journal of Medicine eine Arbeit, die die medizinische Fachwelt schockierte – „Die Anwendung von menschlichem Wachstumshormon bei Menschen über 60 Jahren“. Rudman wählte 12 Männer im Alter von 61 bis 81 Jahren für klinische Studien aus:

Nach sechsmonatiger hGH-Injektion wiesen die Probanden im Vergleich zu einer Kontrollgruppe gleichaltriger älterer Menschen einen durchschnittlichen Anstieg der Muskelmasse um 8,8 %, einen Fettabbau von 14,4 %, eine Verdickung der Haut um 7,11 %, eine Zunahme der Knochendichte um 1,6 %, ein Lebervolumen von 19 % und ein Milzvolumen von 17 % auf. Daraus wurde geschlossen, dass die histologischen Veränderungen bei allen Probanden auf eine um 10 bis 20 Jahre jüngere Entwicklung hindeuteten.

Diese Erkenntnis führte zu einer weitverbreiteten Bewerbung von rekombinantem humanem Wachstumshormon (rhGH) als Anti-Aging-Mittel und ist auch die Ursache für den weit verbreiteten Glauben, dass die Injektion von rhGH den Alterungsprozess verlangsamen kann. Seitdem haben viele Ärzte rhGH als Anti-Aging-Mittel eingesetzt, obwohl es nicht von der FDA zugelassen ist.

Im Zuge weiterer Forschungen haben Wissenschaftler jedoch festgestellt, dass die geringen Vorteile einer Steigerung der Aktivität der GH/IGF-1-Achse für den Körper die Lebensspanne älterer Menschen nicht verlängern, sondern vielmehr gesundheitliche Risiken bergen:

Mäuse mit einer Überproduktion von Wachstumshormon (GH) sind zwar riesig, haben aber eine um 30–40 % kürzere Lebensspanne als Wildtyp-Mäuse [2], und bei Mäusen mit erhöhten GH-Werten treten histopathologische Veränderungen (Glomerulosklerose und Hepatozytenproliferation) sowie Insulinresistenz auf.

Hohe Wachstumshormonspiegel stimulieren das Wachstum von Muskeln, Knochen und inneren Organen, was zu Gigantismus (bei Kindern) und Akromegalie (bei Erwachsenen) führen kann. Erwachsene mit einem Wachstumshormonüberschuss leiden häufig an Diabetes und Herzproblemen und haben zudem ein erhöhtes Krebsrisiko.

GH/IGF-1 sinkt


Veröffentlichungsdatum: 22. Juli 2022